Fehler, Mythen und andere Weisheiten: Fakten über Trensen und Kandaren, die dir so bestimmt nicht bewusst waren (Teil 1)

Fehler, Mythen und andere Weisheiten: Fakten über Trensen und Kandaren, die dir so bestimmt nicht bewusst waren (Teil 1)

Die Ausrüstung des Pferdes hat erheblichen Einfluss auf die Leistung und das Wohlbefinden beim Reiten. Diese Tatsache ist den meisten Reitern zwar bewusst, jedoch nicht präsent. Wer eine Trense oder Kandare für sein Pferd kauft, darf seine Wahl nicht nur nach optischen Gesichtspunkten treffen, sondern sollte vor allem auf die Passform und den Schnitt achten.

Weißt du wo der höchste Druck entsteht?

Ein gutsitzender Zaum verteilt den Druck, der durch die Einwirkung beim Reiten entsteht, auf unterschiedliche Punkte. Der höchste Druck entsteht auf dem Nasenrücken und nicht im Genick, wie man vermuten könnte. Deshalb ist es umso wichtiger, dass das Reithalfter eine breite und gut gepolsterte Auflagefläche hat, da sich dann die Einwirkung auf der Pferdenase optimal verteilt.

 

Sperrriemen ja/nein?

Fakt ist: Ein Reithalfter mit Sperrriemen kann mehr Druck aufbauen als ein Reithalfter ohne Sperrriemen. Achten man jedoch auf die korrekte Verschnallung des Sperrriemens (2-Finger-Regel), ist auch mit Sperrriemen ausreichend Maulbewegung möglich. Ist der Nasenriemens zusätzlich breit und weich gepolstert, kann der punktuelle Druck, der besonders auf Höhe der Sperrriemenschlaufe entsteht, vermieden werden. Beim Reiten ganz ohne Sperrriemen besteht die Gefahr, dass die Trense unruhig im Maul liegt.

 

Folterinstrument Umlenkverschnallung?

Mit einem schwedischen Reithalfter entsteht weniger Druck als mit einem englischen Reithalfter - wie immer unter Beachtung der 2-Finger-Regel. Grund hierfür ist die Umlenkverschnallung, sie funktioniert durch die zwei seitlichen Ringe wie ein Gelenk und lässt dadurch mehr Maulbewegung zu. Außerdem werden durch das zusätzliche, verschiebbare Polster die empfindlichen Unterkieferäste geschützt. Eine gleichmäßige, seitengleiche Verschnallung ist so möglich.

 

Wo ist der größte Druck im Genick?

Im Genick sind die größten Druckpunkte vor allem seitlich hinter den Ohren und an der Seite oberhalb der Kiefergelenke. Umso wichtiger ist an dieser Stelle, dass das Genickstück anatomisch geschnitten ist und ein freies Ohrenspiel ermöglicht wird. Die Riemenführung darf auf keinen Fall auf das Kiefergelenk drücken und der Stirnriemen muss groß genug sein, damit das Genickstück nicht nach vorne gezogen wird. 

 

Rundgenähte vs. flachgenähte Zäume

Eine Tatsache, die man außerdem nicht vergessen darf:  Die Druckverteilung bei rundgenähten Zäumen wirkt punktueller als bei flachgenähten. Dies entsteht durch die geringere Auflagefläche der Riemen. 

Für empfindliche oder sehr sensible Pferde eignen sich deshalb rundgenähte Trensen oder Kandaren nicht. Natürlich sind rundgenähte Zäume ein optisches Highlight, jedoch muss das Pferd sich damit auch wohl fühlen.

 

Im nächsten Blog-Beitrag gehen wir auf Fehler beim Trensen ein, die man häufig leider sogar unbewusst macht.  Freue dich auf ein spannendes Thema mit vielen Aha-Effekten.