Eins der Top-Verkaufsargumente bei Trensen und Kandaren ist der anatomische Schnitt. Das Pferd soll sich wohlfühlen. Es darf nichts drücken oder reiben. Empfindliche Stellen am Pferdekopf sollen ausgespart werden um höchstmögliche Zufriedenheit und Rittigkeit zu fördern.
Aber ist jedem klar, was anatomisch geschnitten heißt? Was genau bedeutet anatomisch geformt im Detail? Worauf muss man wirklich achten? Was zeichnet dabei unsere Zäume besonders aus? Dies wollen wir euch mit Hilfe dieser Blog-Reihe erklären.
Der komplexe Pferdekopf
Eine Trense besteht aus vielen verschiedenen Bestandteilen. Ein Pferdekopf ist ein komplexes anatomisches Gebilde aus vielen Knochen, Muskeln. Nerven und Gefäßen. Eine vereinfachte Abbildung aller Nerven und Gefäße wie man sie im Internet findet ist nicht möglich, da sich gerade im Bereich der Kaumuskulatur und entlang der Jochbeinkante komplexe Gebilde der Kopfnerven befinden. Es sind nicht nur ein paar Stränge, die hier entlanglaufen sondern richtige Geflechte. Eine Zäumung, die weder einen Nerv noch ein Gefäß berührt, ist nicht möglich. Dennoch kann man durch entsprechende Linienführung und medizinischen Background einen Zaum so entwickeln, dass dieser zu keinem Zeitpunkt fürs Pferd unangenehm wird.
Worauf sollte man bei einer anatomischen Trense oder Kandare besonders achten?

Das Genickstück
Der Schnitt:
Das Genickstück einer Trense oder Kandare darf keinesfalls auf empfindliche Strukturen am Pferdekopf drücken. Unheimlich wichtig ist es, dass das Genickstück sich durch die abgerundete Form an die Pferdeohren anpasst. Für das Fluchttier Pferd ist es notwendig, dass zu jeder Zeit ein freies Ohrenspiel möglich ist.
Des Weiteren spielt die Breite des Genickstücks eine Rolle: ist ein Genickstück zu schmal gehalten, wirkt der beim Reiten entstehende Druck zu punktuell. Ist ein Genickstück sehr breit geschnitten, kann unangenehmer Druck auf funktionelle Strukturen entstehen.
Die Polsterung:
Bei einem anatomischen Genickstück ist allerdings nicht nur der Schnitt ausschlaggebend, sondern auch die Polsterung. Leder ohne Polster verhält sich bei entstehendem Druck wie ein einschneidender Gurt, was für das Pferd sehr unangenehm ist.
Deshalb haben wir unsere Genickstücke mit weichem Schaumstoff unterlegt und diese Unterlegungen mit Nappaleder überzogen. Diese Kombination hat sich in der Praxis als sehr wohltuend erwiesen - selbst bei Pferden mit bekannten Problemen im Bereich des Genicks (z.B. Schleimbeutelentzündungen, Verkalkungen des Nackenbands).
Welche anatomischen Strukturen sind von der Lage eines Genickstücks eigentlich betroffen?
- Das Atlanto-Okzipital-Gelenk (gebildet aus Hinterhaupt und Atlas): Seine Funktion ist die Auf- und Abbewegung des Kopfes sowie die seitliche Stellung des Genicks. Ist die Funktion dieses Gelenks gestört, hat das Pferd große Probleme am Zügel zu gehen oder eine seitliche Stellung zuzulassen.
- Der Genickschleimbeutel, welcher direkt auf dem 1. Halswirbel lieg und die Ohrspeicheldrüse: bei Reizung oder zu starkem Druck kann es zu Schwellungen und Entzündungen kommen
- Das Nackenband, welches am Hinterhauptsknochen seinen Ursprung findet. Es verläuft über den kompletten Hals und Rücken nach hinten zum Kreuzbein. Ist seine Funktion gestört, kann es zu starken Beeinträchtigungen beim Reiten kommen. Fehlende Losgelassenheit und Durchlässigkeit sowie ein fester, nicht schwingender Rücken sind die Folgen.

Das Reithalfter
Ganz egal welches Modell man wählt, ob schwedisch-kombiniert, mexikanisch oder hannoversch – ein Reithalfter sollte so geschnitten sein, dass es sehr empfindliche Strukturen am Pferdekopf ausspart. Entsprechende Schnittführung und breite Auflageflächen sorgen für eine angenehme Druckverteilung. Ebenso wichtig sind verschiedene Polsterungen, die vermeiden, dass punktueller, einschneidender Druck entsteht.
Ganz besonders sensibel sind dabei folgende Strukturen:
- Der Nasenrücken: alle Riemen, die über den Nasenrücken laufen, müssen entsprechend gepolstert sein und eine möglichst breite Auflagefläche haben. Der Nasenrücken ist knöchern und im unteren Bereich knorpelig und reagiert auf Reizung mit Zubildung von Knochen. Die Folge sind unschöne Überbeine, welche sicherlich jeder schon mal gesehen hat.
- Die Unterkieferäste: schmale Knochenäste, die direkt unter der Verschnallung des Reithalfters liegen. Arbeitet man hier nicht mit breiten Auflageflächen und guten Polsterungen, kommt es zu lokalen Reizungen und Blockaden des Unterkiefers.
- Das Jochbein bzw. die Jochbeinkante: bei schwedisch-kombinierten Zäumen darf der Backenriemen keinesfalls entlang der Jochbeinkante liegen, sondern dahinter. Die 1-2-Finger-Abstand-Regel unterhalb des Jochbeins ist für die Lage des Nasenriemens sehr ernst zu nehmen. Liegt der Nasenriemen zu weit oben, behindert er die wichtigen Blutgefäße Vena und Arteria facialis, die direkt unterhalb der Backe (Ganasche) zu finden sind.
Beim Reithalfter ist es ähnlich wie beim Genickstück, sowohl die Linienführung als auch die Polsterung und die Lederqualität sind ausschlaggebend.
Für unserer Produktentwicklung ist es oberste Priorität, dass unsere Trensen und Kandaren in allen Bestandteilen die perfekte Passform, einen anatomischen Schnitt sowie eine anschmiegsame Lederqualität aufweisen. Sowohl in unserer Basislinie Classic, als auch in unserer luxuriösen Signature-Kollektion sind unsere Zäume anatomisch geschnitten.
Im nächsten Post gehen wir sehr ausführlich auf unsere verschiedenen anatomisch Reithalfter ein, deren Besonderheiten sowie die kleinen Details, die dafür sorgen, dass wir uns von der breiten Masse abheben. Seid gespannt!
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